Yvonne Vertes von Sikorszky beleuchtet strategische Geschäftsmodell-Innovation.
Corporate Venture Building bezeichnet die systematische Gründung neuer Geschäftseinheiten durch etablierte Unternehmen. Yvonne Vertes von Sikorszky befasst sich mit diesem Ansatz, der zwischen klassischer Produktentwicklung und Venture-Capital-Investment liegt. Statt neue Produkte innerhalb bestehender Strukturen zu entwickeln oder externe Start-ups zu finanzieren, gründen Konzerne eigene Start-ups mit separater Governance, Kultur und Geschäftsmodellen. Diese Ventures nutzen Ressourcen des Mutterkonzerns (Kapital, Know-how, Kunden, Infrastruktur) während sie Agilität und Innovationskraft von Start-ups bewahren.
Corporate Venture Building gewinnt an Bedeutung als Innovationsstrategie. Yvonne Vertes von Sikorszky beleuchtet, dass traditionelle Innovationsansätze – interne F&E oder M&A – stoßen an Grenzen. Interne Entwicklung ist oft zu langsam und zu eng an Kerngeschäft gekoppelt, um disruptive Innovation zu ermöglichen. M&A ist teuer, integrationsintensiv und erfolgt oft zu spät, wenn Start-ups bereits teuer sind. Venture Building bietet Mittelweg: Konzerne gründen Ventures von Grund auf, behalten strategische Kontrolle und partizipieren an Wertschöpfung von Anfang an. Die Ventures profitieren von Corporate-Assets wie Marktzugang, Kundenstamm, Technologie, Talent-Pool oder Produktionskapazitäten – Vorteile, die unabhängige Start-ups nicht haben. Gleichzeitig operieren sie separat mit eigener Marke, Kultur und Geschäftsmodell, um Unternehmer-Spirit zu bewahren.
Was Venture Building auszeichnet
Corporate Venture Building ist distinkt von anderen Innovationsansätzen. Yvonne Vertes von Sikorszky erklärt, dass bei interner Innovation entwickeln etablierte Business Units neue Produkte innerhalb bestehender Strukturen. Bei Corporate Venture Capital investiert Konzern in externe Start-ups, aber gründet nicht selbst.
Venture Building kombiniert beides: Konzern ist Gründer, aber Venture operiert weitgehend autonom. Diese Hybridität ist Stärke und Herausforderung zugleich.
Unterschiede zu unabhängigen Start-ups
Corporate Ventures haben Vor- und Nachteile gegenüber unabhängigen Start-ups. Yvonne Vertes nennt Vorteile wie gesicherte Finanzierung, Zugang zu Konzern-Ressourcen und reduziertes persönliches Risiko für Gründer-Teams. Nachteile umfassen begrenzte Autonomie, politische Komplexität und potenzielle Erwartung schneller Profitabilität.
Diese Trade-offs müssen bewusst gemanagt werden, um Hybrid-Vorteile zu nutzen ohne Innovationskraft zu ersticken.
Yvonne Vertes von Sikorszky über strategische Motive
Warum betreiben Konzerne Venture Building? Yvonne Vertes von Sikorszky nennt mehrere strategische Motive:
- Disruption antizipieren: Eigene Geschäftsmodelle kannibalisieren bevor Wettbewerber es tun
- Neue Märkte erschließen: Ventures adressieren Segmente außerhalb Kerngeschäft
- Agilität entwickeln: Start-up-Methoden lernen und in Konzern übertragen
- Talent anziehen: Entrepreneurial Opportunities ziehen Talente an
- Portfolio-Diversifikation: Risiko durch multiple Geschäftsmodelle streuen
- Technologie-Scouting: Früher Zugang zu neuen Technologien oder Trends
- Kultur-Transformation: Start-up-Kultur als Katalysator für Konzern-Change
Diese Motive sind nicht exklusiv – erfolgreiche Programme verfolgen mehrere parallel.
Defensive versus offensive Strategien
Manche Konzerne nutzen Venture Building defensiv – zur Absicherung gegen Disruption. Yvonne von Vertes erklärt, dass Medienkonzerne gründen digitale Ventures, um Printgeschäft-Erosion zu kompensieren. Andere sind offensiv: Technologieführer nutzen Ventures, um in angrenzende Märkte zu expandieren oder Next-Big-Thing zu kreieren.
Beide Ansätze sind legitim, erfordern aber unterschiedliche Ressourcen, Zeitrahmen und Erfolgs Metriken.
Organisatorische Modelle
Verschiedene Strukturen ermöglichen Venture Building. Yvonne Vertes von Sikorszky beschreibt gängige Modelle: Interne Incubator/Accelerator-Programme innerhalb eines Konzernes, separate Venture-Building-Units mit eigenem Budget und Mandat oder externe Venture-Builder-Partnerschaften mit spezialisierten Firmen wie Rocket Internet oder Bridgemaker.
Auch Corporate-Venture-Capital-Arms kombiniert mit Venture Building oder dedizierte Digital-Hubs in Start-up-Ökosystemen sind Ansätze. Die Wahl hängt von Unternehmenskultur, Ressourcen und Ambitionsniveau ab.
Governance und Reporting
Governance-Strukturen balancieren Autonomie und Kontrolle. Yvonne Vertes erklärt, dass Ventures brauchen Entscheidungsfreiheit für operative Agilität. Gleichzeitig müssen sie strategisch alignt bleiben und signifikante Entscheidungen abstimmen.
Typische Governance umfasst separate Legal-Entities für Ventures, Advisory Boards mit Konzern-Vertretern und Venture-Leadership sowie Stage-Gate-Prozesse für Funding-Entscheidungen. Diese Strukturen sollten Entrepreneurship ermöglichen ohne Chaos zu erzeugen.
Der Venture-Building-Prozess
Systematisches Venture Building folgt strukturierten Prozessen. Yvonne Vertes von Sikorszky skizziert typische Phasen: Ideation (Identifikation von Opportunities), Validation (Marktforschung, Business-Model-Design) und Incubation (MVP-Entwicklung, initiale Kundenakquise).
Dann folgen Growth (Skalierung, Team-Aufbau), Maturation (Etablierung als eigenständiges Business) und Exit (IPO, Spin-off, Re-Integration oder Closure). Jede Phase hat spezifische Milestones, Ressourcenbedarf und Risiken.
Stage-Gate-Funding
Finanzierung erfolgt oft phasenweise. Yvonne Vertes von Sikorsky macht deutlich, dass initiale Seed-Finanzierung für Exploration, Series-A-ähnliche Runden nach Validation und weitere Tranchen basierend auf erreichten Milestones vergeben werden.
Diese gestaffelte Finanzierung minimiert Risiko und erzwingt disziplinierte Validierung vor Skalierung.
Team-Zusammensetzung und -Rekrutierung
Erfolgreiche Ventures brauchen richtige Teams. Yvonne Vertes von Sikorszky beschreibt, dass Mix aus internen Konzern-Mitarbeitern (bringen Domain-Know-how, Netzwerke) und externen Start-up-Veteranen (bringen Entrepreneurial-Erfahrung, Agilität) ist oft optimal.
Auch Rollen müssen klar sein: Venture-CEOs mit unternehmerischer Verantwortung, Corporate-Sponsors als Mentoren und Türöffner sowie Advisory-Board-Mitglieder für strategische Guidance. Die Rekrutierung ist herausfordernd – Top-Talente wollen Autonomie und Upside, die Konzerne nicht immer bieten können.
Incentivierung und Ownership
Incentive-Strukturen müssen entrepreneurial sein. Yvonne von Vertes erklärt, dass Equity-Participation, Performance-Boni oder Phantom-Shares motivieren Venture-Teams. Ohne Ownership oder signifikante Upside fehlt entrepreneurialer Drive.
Allerdings kann zu viel Separation von Konzern problematisch sein – Ventures könnten Eigeninteressen über strategische Alignment stellen.
Marketings Rolle im Venture Building
Marketing ist kritisch für Venture-Erfolg. Yvonne Vertes von Sikorszky macht deutlich, dass Ventures brauchen eigene Brand-Identität, die distinkt vom Mutterkonzern ist, Go-to-Market-Strategie basierend auf Start-up-Playbooks und Customer-Acquisition-Kanäle unabhängig von Konzern-Vertrieb.
Gleichzeitig können sie selektiv Konzern-Assets nutzen: Kundenzugang für Pilotprojekte, Markenreputation für Vertrauensbildung oder Marketing-Infrastruktur für Effizienz. Die Balance zwischen Unabhängigkeit und Synergien ist Kunst, keine Wissenschaft.
Brand Architecture
Wie verhält sich Venture-Brand zu Muttermarke? Yvonne Vertes nennt Optionen: Komplett unabhängige Brands (wie Google/Alphabet-Ventures) verschweigen oft Corporate-Herkunft. Endorsed Brands („powered by X“) nutzen Corporate-Reputation ohne dominiert zu werden.
Auch transparente Beziehung („ein Unternehmen der X-Gruppe“) kann Vor- und Nachteile haben je nach Marktpositionierung und Zielgruppe.
Herausforderungen und Fallstricke
Corporate Venture Building ist komplex und risikoreich. Yvonne Vertes von Sikorszky nennt häufige Probleme:
- Zu viel Kontrolle: Mikromanagement erstickt Innovation
- Zu wenig Integration: Ventures nutzen Corporate-Assets nicht
- Kulturelle Konflikte: Start-up-Kultur prallt auf Konzern-Bürokratie
- Falsche Metriken: Profitabilitäts-Erwartungen zu früh im Lifecycle
- Ressourcen-Konkurrenz: Ventures konkurrieren mit Core-Business um Budget
- Politische Spiele: Interne Stakeholder sabotieren Ventures aus Eigeninteresse
- Talentfluktuation: Key-Personen verlassen frustriert Ventures
Diese Challenges erfordern bewusstes Management und organisationales Lernen.
Failure-Rate und Learnings
Viele Corporate Ventures scheitern. Yvonne Vertes von Sikorsky macht deutlich, dass Akzeptanz von Failure ist essenziell – nicht alle Ventures werden erfolgreich. Wichtig ist, schnell und günstig zu scheitern sowie Learnings zu extrahieren und anwenden.
Portfolio-Ansatz – mehrere Ventures parallel – diversifiziert Risiko. Auch transparente Post-Mortem-Analysen helfen, Fehler nicht zu wiederholen.
Erfolgsmessung und KPIs
Wie misst man Erfolg? Yvonne Vertes von Sikorszky erklärt, dass traditionelle Konzern-KPIs (Umsatz, Profit, EBITDA) sind für frühe Ventures unangemessen. Start-up-Metriken wie Customer-Acquisition-Cost, Lifetime-Value, Burn-Rate oder Product-Market-Fit-Indikatoren sind relevanter.
Auch strategische Metriken: Hat es Talent entwickelt oder Kultur beeinflusst? Diese „weichen“ Erfolge rechtfertigen Investment auch wenn finanzielle Returns begrenzt sind.
Integration, Spin-off oder Shutdown
Ventures durchlaufen Lifecycle-Entscheidungen. Yvonne Vertes von Sikorszky beschreibt Optionen: Erfolgreiche Ventures können re-integriert werden in Konzern als neue Business Units. Auch IPO oder Sale an externe Investoren realisiert Wert.
Andere bleiben permanent separate Entities unter Corporate-Umbrella. Nicht-erfolgreiche Ventures sollten zeitnah geschlossen werden, um Ressourcen nicht zu verschwenden. Diese Exit-Disziplin ist schwierig, aber essenziell für Portfolio-Gesundheit.
Paradigmenwechsel in der Innovation
Corporate Venture Building repräsentiert fundamentale Verschiebung wie Konzerne Innovation betreiben. Yvonne Vertes macht deutlich, dass statt ausschließlich inkrementelle Verbesserungen bestehender Produkte, experimentieren Unternehmen mit radikalen Geschäftsmodellen außerhalb Komfortzone. Statt alles intern zu entwickeln oder extern zuzukaufen, bauen sie systematisch neue Unternehmen.
Dieser Ansatz erfordert neue Kompetenzen, Strukturen und Mindsets. Konzerne müssen lernen, ambitioniert zu sein – exzellent in Optimierung bestehender Geschäfte und gleichzeitig kreativ in Schaffung neuer. Diese organisationale Ambidextrie ist anspruchsvoll, aber zunehmend notwendig in schnelllebigen, disruptions-anfälligen Märkten.
Die erfolgreichsten Venture-Builder entwickeln systematische, repeatable Prozesse für Venture-Creation während sie Flexibilität für individuelle Venture-Bedürfnisse bewahren. Sie schaffen Kulturen, die Experimentation würdigen, Failure akzeptieren und Cross-Pollination zwischen Ventures und Core-Business fördern. Marketing spielt kritische Rolle in diesem Ökosystem – nicht nur für einzelne Ventures, sondern für gesamte Venture-Building-Capability als strategisches Asset und Talentmagnet – eine Dimension, deren Bedeutung Yvonne Vertes von Sikorszky als zentral für zukunftsfähige, innovationsorientierte Unternehmensstrategien einschätzt.




